Blutvergiftung

Die Blutvergiftung (=Sepsis) bezeichnet eine Ausbreitung von Infektionserregern (d.h. Bakterien, Viren, Pilze) im Blut. Sie nimmt ihren Ausgang von Erregern im Gewebe (z.B. in der Haut, Darm, Lunge). Die Keime liegen meist als Eiterherd (=Abszeß) vor und gelangen über die Wand der Blutgefäße in das strömende
(=zirkulierende) Blut, um auf diesem Wege andere Körperteile
zu erreichen (z.B. Herz, Gehirn). Dort vermehren sie sich und schädigen weitere Organe. Es kann zum Leberversagen
(=Leberinsuffizienz) mit Gelbsucht (=Ikterus) oder Herz-
(=Herzinsuffizienz) und Nierenversagen (=Niereninsuffizienz)
mit Wassereinlagerungen (=Ödemen) kommen.

Die Patienten sind schwer krank und haben häufig hohes
(=febriles) Fieber (bis zu 40 Grad Celsius) mit Schüttelfrost.
Oft ist der Herzschlag beschleunigt (=Tachykardie) und der Blutdruck abgefallen (=Hypotonie). Die Atemfrequenz kann erhöht sein (=Tachypnoe). Darüber hinaus findet sich
manchmal eine Bewußtseinstrübung (z.B. Verwirrung, Bewußtlosigkeit (=Koma)).

Der behandelnde Arzt wird den Patienten bei einem Verdacht
auf eine Sepsis sofort und komplett untersuchen, Fieber messen, Blutdruck und Puls kontrollieren und den Patienten danach in das Krankenhaus einweisen. Dort wird man rasch eine Blutabnahme zur Bestimmung der Blutsenkung und Leukozytenzahl vornehmen sowie zumindest zwei Blutkulturen zur Anzüchtung der Erreger anlegen. Röntgenuntersuchungen können den Ausgangsherd lokalisieren (z.B. Lungenentzündung (=Pneumonie), Gallenblasenentzündung (=Cholezystitis), Bauchspeicheldrüsenentzündung (=Pankreatitis), Nierenentzündung (=Pyelonephritis)).

Die Behandlung (=Therapie) muß rasch aufgenommen werden. Falls ein Eiterherd (=Abszeß) vorliegt, wird dieser durch einen Chirurgen eröffnet, um den Eiter aus dem Körper abzuleiten
(=drainieren). Darüber hinaus wird eine sehr wirksame
(=hochpotente) Antibiotikatherapie durch Infusionen in die Venen (=intravenös) eingeleitet. Weitere Maßnahmen (z.B. Sauerstoffgabe, Infusionen, kreislaufstabilisierende Medikamente) erfordern eine Behandlung auf der Intensivstation. Eine Blutvergiftung kann sowohl ausheilen als auch zu Defekten
oder zum Tode führen. Von entscheidender Bedeutung ist die rasche und kompetente ärztliche Versorgung innerhalb von
ein bis zwei Tagen.

Im Sprachgebrauch der Laien bezeichnet der Begriff „Blutvergiftung“ häufig eine völlig andere Erkrankung, die korrekt als Lymphbahnentzündung (=Lymphangitis) der Haut bezeichnet wird. Das typische Zeichen ist eine wenige Millimeter breite, gerötete, schmerzhafte und streifenförmige Schwellung der Haut. Sie wandert von einer ursprünglichen Hautinfektion
(=Primärherd) in Richtung Körper. Eine Lymphangitis ist eine örtlich begrenzte (=lokale) Infektion, die mit Antibiotika und feuchten Umschlägen zur Abheilung gebracht wird.
Die Behandlung der Lymphangitis erfolgt ambulant in der
Praxis eines niedergelassenen Arztes. Eine komplette und unproblematische Ausheilung ist die Regel.

Dr. Dr. med. Th. Hürter, Geilenkirchen

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