Vergiftungen

Vergiftungen (=Intoxikationen) können durch die Aufnahme giftiger (=toxischer) Substanzen über den Mund (=oral), die Haut (=percutan) oder die Lunge (=inhalativ) entstehen. Es gibt eine Vielzahl an ganz unterschiedlichen Stoffen mit verschiedenartigen Schäden an unterschiedlichen Organen zu variablen Zeiträumen.

Viele Ärzte sind bei speziellen Fragen zu Vergiftungen überfordert. Aus diesem Grunde wurden offizielle Beratungsstellen in Universitätskliniken eingerichtet (z.B. Giftnotrufzentrale Bonn, Telefonnummer 0228/19240, www.meb.uni-bonn.de/giftzentrale). Betroffene und Angehörige können dort tags und nachts kostenlosen Rat durch speziell geschulte Ärzte einholen. Die beste Beratung erfolgt telefonisch, weil die Bearbeitung von FAXen und E-mails längere Zeit in Anspruch nimmt. Die Ärzte geben Rat bei Vergiftungen durch Lebensmittel, Medikamente, Drogen, Chemikalien, Schädlingsbekämpfungsmittel, Pflanzen u. a.. Die Giftnotrufzentralen beraten Patienten aus ganz Deutschland und dem Ausland. Eine Überweisung oder eine vorherige Rücksprache mit dem behandelnden Arzt ist nicht erforderlich.

Den betroffenen Patienten und Angehörigen wird geraten, vor einer Kontaktaufnahme die verdächtigen Medikamente, Pflanzen etc. mit Namen und Menge aufzuschreiben und die Behälter zu verwahren. Darüber hinaus sollten Uhrzeit, Ort, Giftmenge und weitere Begleitumstände notiert werden.

Dr. Dr. med. Th. Hürter, Geilenkirchen



Knollenblätterpilz

Der Knollenblätterpilz wächst von Juli bis Oktober in deutschen Wäldern. Er ähnelt den Champignons und wird aus diesem Grunde von Pilzfreunden irrtümlich gesammelt und gegessen. Während der Verdauung werden Gifte (=Amatoxine) im Darm freigesetzt und gelangen zunächst in die Leber, die zerstört wird. Die Folge ist
eine fehlende Entgiftung des Blutes und ein Mangel an Blut-
gerinnungseiweißen, der zu schwersten Blutungen im Darm oder Gehirn führt. Letztendlich können auch die Nieren zerstört werden. Der Verzehr eines einzigen Pilzes kann bereits tödlich sein.

Der Patient hat zunächst keine Beschwerden (=Latenzphase I). Nach 6-12 Stunden finden sich für 1-2 Tage Bauchschmerzen mit wässrigen und blutigen Durchfällen. Danach tritt eine zweite Phase der Besserung (=Latenzphase II) für 12-24 Stunden ein. Erst danach finden sich die Zeichen (=Symptome) eines zunehmenden Leberschadens: Gelbsucht (=Ikterus), Verwirrung und Reaktionsverlangsamung des Patienten.

Der Patient muß den behandelnden Arzt ausdrücklich auf den Verzehr von Pilzen hinweisen, da die Vergiftung mit einem unkomplizierten Magen-Darminfekt (=Gastroenteritis) verwechselt werden kann. Der Arzt wird ihn umgehend in ein Krankenhaus einweisen, wo die Leberwerte im Blut (z. B. GPT, Quick-Wert ) und die Amatoxine im Blut und Urin bestimmt werden.

Die Behandlung erfolgt in der Frühphase durch eine Magenspülung zur Entfernung der Pilzreste mit nachfolgender Gabe von Aktivkohle und Abführmitteln. Der rasche Einsatz eines Gegengiftes (=Antidot) aus der Pflanze Mariendistel ist erfolgversprechend. Die letzte Behandlungsmöglichkeit ist eine Lebertransplantation. Trotz dieser medizinischen Maßnahmen versterben 10-20 % aller vergifteten Patienten.

Quelle:
Aden G.-D.: PTA heute 10 (2000) 16-21

Dr. Dr. med. Th. Hürter, Geilenkirchen

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